„Waldwende statt Waldende!“

Der Wald – Unser Lebensquell

Eigentlich kennt ihn jeder und war schon mal dort. Viele Menschen sind regelmäßig im Wald, um ihn als Ort der Erholung zu nutzen. Ob zum Spazieren- oder Gassi gehen, zum Wandern, Sport treiben oder andere Aktivitäten. Jedes Jahr aufs Neue zieht es immer mehr Menschen in den Wald, die ihn als Ort der Erholung und Gesundheit entdeckt haben und nicht mehr missen möchten. Es wurde auch unlängst nachgewiesen, dass Wald tatsächlich gesund macht. Regelmäßige Aufenthalte bzw. Aktivitäten im Wald sind gut für Körper und Geist. Das Immunsystem und die eigene Resilienz werden gestärkt. Vor allem in stressigen Situationen und Lebensphasen kann der Wald eine wichtige Unterstützung sein. Man bekommt den Kopf wieder frei und kann mal wieder ‚durchatmen‘. Dies hat unterschiedliche Gründe: Es ist die Farbkulisse – Grün wirkt entspannend – die frische und kühle Luft, Abwechslung, Geräusche & Gerüche oder einfach nur die ‚Ruhe‘. Und auch folgender Faktor spielt eine wichtige Rolle: Der Wald verlangt von uns nichts, er fordert nichts, er erhebt keine Ansprüche an uns. Also all die Dinge, mit denen wir ansonsten meist im Alltag konfrontiert sind. Im Wald dürfen wir einfach nur ‚Sein‘. Der Wald mit seiner positiven, schon fast therapeutischen Wirkung ist unersetzbar. Daher verwundert es auch nicht, dass z.B. in Japan regelmäßiges ‚Waldbaden‘ sogar ärztlich verordnet wird.

Aber der Wald kann durchaus mehr. Deutlich mehr. Vielen Menschen sind die vielfältigen Funktionen und Leistungen, die der Wald für uns – quasi ‚frei Haus‘ – erbringt, gar nicht bewusst. Der Wald ist für unser Überleben von essentieller Bedeutung! Im Folgenden die wichtigsten Funktionen:

  • Speicherung von Kohlenstoffdioxid (CO2) und Produktion von Sauerstoff
  • Filterung/Reinigung der Luft
  • Kühlung der Luft
  • Bildung von Niederschlägen
  • Speicherung von Feuchtigkeit und Bildung von Grundwasser
  • Schutz des Bodens vor Erosion und anderen Einflüssen
  • Lebensraum unzähliger Tier, Pflanzen- und Pilzarten

Um all diese Funktionen (und weitere) erfüllen zu können, muss ein Wald selbst „gesund“ sein. Dabei ist es wichtig, dass alle natürlichen Prozesse stattfinden können. Aber was bedeutet das ? Wann ist ein Wald gesund?

Eigentlich ist es relativ einfach. Je naturnäher bzw. natürlicher, je weniger vom Menschen beeinflusst ein Wald ist, desto stabiler ist das ökologische Gleichgewicht und demzufolge „gesünder“ ist der Wald. Man muss ihm Raum und Zeit geben, so dass natürliche, dynamische Prozesse sich entwickeln und auf unterschiedlichen Ebenen wirken können. Ein stabiles, funktionierendes Ökosystem ist bestens gerüstet für bevorstehende Herausforderungen. Ob es nun im Zuge des Klimawandels erhöhte Temperaturen und längere Trockenphasen sind, Schädlingsbefall, Parasiten oder auch Unwetterereignisse und anderes. Ein natürlicher, ein gesunder Wald wird damit fertig und ist auch anpassungsfähig.

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Mannheimer Stadtwald - Sägen wir an dem Ast auf dem wir sitzen?

Der Patient Wald

Jedoch sieht die Realität so aus, dass es in Deutschland leider so gut wie keine natürlichen bzw. naturbelassenen Wälder (mehr) gibt. Von echten Urwäldern ganz zu schweigen. Eigentlich handelt es sich meist vielmehr um Forste. Und auch in Mannheim sieht es nicht unbedingt viel besser aus. Wir haben für eine Großstadt zum Glück zwar vergleichsweise viel ‚Wald‘ und andere grüne Flecken, aber der Mensch hat in unterschiedlichen Formen auch hier deutlich seine Spuren hinterlassen. Viele verschiedene Fehler wurden und werden leider noch immer gemacht. Die Folgen der Fehler der Vergangenheit wurden ab 2018 besonders deutlich sichtbar. Vor allem im Käfertaler Wald und im Dossenwald. Die geschwächten Wälder bzw. Forste kamen in vielen Arealen mit den langen Trockenphasen nicht besonders gut klar und wurde durch Hitze, Trockenheit und Pilzbefall weiter geschwächt.

Hinzu kommt, dass immer mehr Bereiche von invasiven Neophyten wie Spätblühender Traubenkirsche (Prunus serotina) , Götterbaum (Ailanthus altissima), Armenischer Brombeere (Rubus armeniacus) und anderen Arten erobert werden. Diese invasiven Arten lassen anderen Pflanzen kaum eine Chance zu gedeihen und verdrängen diese zunehmend.Dem Verlust heimischer Pflanzenarten folgt automatisch ein Verlust vieler Tier- und Pilzarten, die von diesen Pflanzen abhängig sind. Je mehr Arten insgesamt im Laufe der Zeit verschwinden bzw. je kleiner die Populationen werden, desto instabiler wird das ökologische Gleichgewicht. Und instabile (Öko)Systeme sind wiederum vergleichsweise anfällig für andere Störeinflüsse und können zudem nicht vollumfänglich alle Funktionen eines stabilen, eines gesundes Ökosystems erfüllen.

Und nun, was tun ?

Die Waldeigentümerinnen wollen nun den Wald bzw. große Bereiche sukzessive ‚umbauen‘. (Allein dieser Begriff klingt schon ziemlich technokratisch.) Ihn fit für die Zukunft machen, sodass er den Herausforderungen des Klimawandels und weiterer Einflüsse standhält. Und natürlich soll der Wald der Zukunft auch alle sonstigen Anforderungen bzw. Wohlfahrtsleistungen erfüllen. (siehe oben.) Im Zuge des Waldumbaus will man die Spätblühende Traubenkirsche entfernen und seitens der Eigentümerinnen ist immer wieder die Rede von schonenden Maßnahmen zur Waldentwicklung orientiert an natürlichen Wald(pflanzen)gesellschaften und dergleichen.

Hört sich eigentlich doch ganz gut an. Grundsätzlich ist daher diese Idee/Zielsetzung zunächst zu begrüßen. Jedoch sieht die Realität leider anders aus! Die bisherigen Maßnahmen waren alles andere als schonend. Es wurden (Fast-)Kahlschlagflächen erzeugt, mit schwerem Gerät die Böden stark beschädigt bzw. verdichtet und das Totholz weitestgehend von den Flächen geräumt. Selbst vor Flächen (FFH-Gebiete) innerhalb des europäischen Natura-2000-Schutzgebietnetzes wurde nicht halt gemacht. Und die Baumpflanzungen haben wenig bis nichts mit natürlichen Waldgesellschaften zu tun, wenngleich (auch) heimische Baumarten gepflanzt wurden. Generell scheint es so, dass bestimmte Waldeigentümerinnen und/oder der Forstbetrieb den Wald nur als eine Art Baum-/Holzartenspektrum begreifen. Die restliche Vegetation – vom Forst in der Regel abwertend als Begleitvegetation bezeichnet – scheint überhaupt keine Rolle zu spielen. Daher sind inzwischen auch viele Pflanzenarten selten geworden bzw. gelten als gefährdet oder sind sogar gänzlich verschwunden. Die Liste ist lang.

Es ist eigentlich sehr grotesk: Zwischen Zielsetzung und daraus abgeleiteter und bisher durchgeführter Maßnahmen herrscht eine große Ambivalenz. Einerseits möchten die Waldeigentümerinnen (zurecht) einen natürlichen, resilienten Wald entwickeln aber andererseits wurden mit den bisherigen Maßnahmen die denkbar schlechtesten Voraussetzungen/Ausgangsbedingungen geschaffen.

Aber es geht auch anders…….

Im Verbund mit

Kontakt

Wenn Sie mehr über den Stand und die Entwicklung des Mannheimer Walds wissen möchten, können Sie sich gerne an uns wenden.

Aktionsbündnis Waldwende Mannheim

c/o Umweltforum Mannheimer Agenda 21
Käfertaler Str. 162
68167 Mannheim

Telefon: N.N.

Email: info@wald-mannheim.de

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